Wegen seiner herausragenden Lage war die Burg stets heiß begehrt und umworben. 1188 im Besitz der Hohenstaufen, fiel sie kurz vor dem Tod des letzten Staufers 1263 an den bayerischen Herzog Ludwig den Strengen, dann an die Herren von Hirschdorf, später an die böhmische Krone. König Wenzel verlieh sie an die Brüder Valzner aus Nürnberg, darauf an die Herren von Seckendorf.
Am 16. Oktober des Jahres 1503 erwarb schließlich die freie Reichsstadt Nürnberg für 6000 Gulden die Burg und den Ort, der 1417 durch König Siegismund von Böhmen das Marktrecht erhalten hatte. Trotz der von den Nürnbergern errichteten Mauer nebst zwei Toren wurde Hiltpoltstein mehrfach belagert und gebrandschatzt, von durchziehenden Schweden, Kaiserlichen und Franzosen geplündert und schwer verwüstet.
1806 kam Hiltpoltstein zu Bayern, die Burg wurde an Private verkauft. König Ludwig I. verhinderte den bereits beschlossenen Abriss und sorgte für eine respektable Instandsetzung. Überhaupt erlebte Hiltpoltstein im 19. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blütezeit mit vier Gastwirtschaften und einer Vielzahl von Handwerkern.
Stets geöffnet und in tadellosem Zustand ist die evangelische Matthäuskirche, eingezwängt zwischen Dolomitfelsen und Burg. Den Besucher erwarten hier eine Fülle bedeutender Kunstschätze, so ein großartiger, um 1420 von einem unbekannten Künstler geschaffener Passionsaltar, der angeblich ursprünglich für die Nürnberger Dominikanerkirche bestimmt war. Ferner ein herrlicher Taufstein sowie eine spätbarocke Kanzel und eindrucksvolle Kirchenfenster. Von hier oben ebenfalls schön: der Blick auf den Ort und die dahinter liegenden Höhenzüge des Fränkischen Jura.
Erhalten ist auch eines der Stadttore, das jetzt als Wohnhaus genutzt wird. Es lohnt sich, durch den alten Ortskern mit den rund um die Burg terrassenförmig angelegten Straßen gemütlich zu schlendern. Einige Häuser sind sorgfältig restauriert worden, die Enge der Gassen weckt Gedanken an längst vergangene Zeiten.
Wie imposant sich die Burg von den Hügelketten in der Ferne abhebt, wird deutlich, wenn man den zirka sieben Kilometer langen Naturlehrpfad rund um Hiltpoltstein abläuft. Start ist am Parkplatz, etwa 500 Meter hinter dem Stadttor an der B 2 in Richtung Pegnitz.
Man befindet sich hier bereits mitten in der Fränkischen Schweiz mit ihren bizarren Felsen und geheimnisvollen Grotten. Auf den attraktiv gestalteten Infotafeln sind nicht nur die einheimischen Waldtiere, Vögel, Kriechtiere und Insekten naturgetreu abgebildet und beschrieben, sondern ebenso alle hier vorkommenden Baumarten und Blumen. Erklärt wird zudem die Entstehung der Karstlandschaft im Laufe der Jahrmillionen. Interesse dürften die Erläuterungen über die Fränkische Mehlbeere finden, einen Obstbaum, der nur noch in den Wäldern der Fränkischen Schweiz anzutreffen ist. Der Rundweg führt außerdem zu etlichen Obstversuchsgärten - der Anbau der Kirsche ist in der hiesigen Gegend seit Jahrhunderten heimisch.
Von Thilo Castner